"Ich finde, dass unser Sport sehr ehrlich ist"

Die Triathletin Josephin Betche im Interview

Bei ihrer Trifun-Premiere im letzten Jahr gewann sie prompt. Und in diesem Jahr wollte die 25-jährige Athletin, die in der Triathlon-Bundesliga für den DLC Aachen startet, so richtig angreifen. „Ich war so gut im Training“, sagt sie trotzig-seufzend. Und nun das. Beim Fahrradtraining auf Mallorca hatte sie einen blöden Unfall, ihr Ellbogen brach. „Das ist schon hart!“ Wir trafen Josephin in der Hamburger Kaifu Lodge zum Gespräch.

Wie kommst Du eigentlich zum Triathlon?

Früher bin ich eigentlich nur gelaufen. Mit 13 Jahren hatte ich mein erstes Rennen. Mannschaftssport war so gar nicht mein Ding und mit dem Triathlon habe ich erst vor sechs Jahren angefangen. Ich startete 2012 beim Hamburg Triathlon und wurde auf Anhieb Sechste.

... für eine Premiere erstaunlich, oder?

Na ja, Laufen kann ich ganz gut, Fahrrad auch, aber Schwimmen konnte ich damals überhaupt noch nicht. Das wollte ich unbedingt ändern und habe deshalb angefangen, intensiv Schwimmen zu trainieren. Richtig intensiv, drei Mal die Woche. Mit Trainer, aber auch sehr viel allein.

Und nun gibst Du selber Schwimmunterricht, bist obendrein eine gute Schwimmerin.

Da ist immer noch Luft nach oben (sie strahlt). Ich möchte noch weitere zwei Minuten auf der 1,5-Kilometer-Distanz schneller werden. Jetzt schwimme ich sie in rund 25 Minuten. Mal sehen. Aber unabhängig von der eigenen Leistung liegt die Kunst des Trainierens eher darin, die Techniken für die Schüler auch nachvollziehbar zu vermitteln. Da hilft es als Trainerin ungemein, wenn Du Dir viele Dinge selber beigebracht hast. Dann weißt und siehst Du genau, welche Probleme bei den Schwimmern in welchen Phasen auftreten.

Wie gehst Du mit deiner Verletzung um, wie sieht Deine Saison aus?

Ich lerne gerade ganz viel Demut. Es tut weh. So kann ich für einige Wochen nicht trainieren, dabei fühlte ich mich gerade so gut. Nun muss ich meine Sommerplanung ziemlich umkrempeln. Statt auf der Halbdistanz auf Mallorca zu starten, werde ich wohl die gleiche Distanz auf Rügen in September in Angriff nehmen.

... da passt doch der Trifun auf Pellworm als Vorbereitung für Rügen ideal, oder?

Ja, wieso nicht. Wann findet der denn in diesem Jahr statt?

... am 11. August ...

Passt eigentlich. Ja, könnte klappen. Ich mag Euer familiäres Event, das Nordische, die Luft, die Fährfahrt, das Schwimmen im Hafenbecken, das Laufen hinaus zum Anleger und die Nähe zu den Zuschauern. Außerdem ist es echt Sport. Einfach cool. Und die Bernsteinkette trage ich immer noch. Ich finde es auch schön, dass ihr alle Teilnehmer ehrt, also ganz anders als beispielsweise beim Jedermann beim Hamburger Triathlon. Da gibt es gar keine Ehrung, obwohl das Startgeld weit über 100 Euro liegt.

Du hast in deiner Altersklasse im letzten Jahr bei den Europameisterschaften den siebten Platz belegt? Was treibt Dich an?

Motivation ist für mich gar kein Problem. Ich trainiere zwischen acht und 23 Stunden pro Woche: 20 Kilometer Schwimmen, 50 Kilometer Laufen und über 200 Kilometer Fahrrad. Dazu noch ein- oder zweimal Krafttraining. Ganz ehrlich, ich will irgendwann mal den Ironman auf Hawaii mitmachen.

Das packst Du bestimmt, bei deinem Talent!

Nee, nee, ich habe gar nicht so viel Talent. Ich muss echt arbeiten, um etwas zu erreichen. Aber ich bin sehr fleißig. Und ich finde, dass unser Sport sehr ehrlich ist. Denn wer fleißig ist, der bekommt auch etwas zurück. Der Sport wirft einen auf sich selbst zurück, das ist ein Lernprozess, der mich auch auf meinen späteren Beruf als Lehrerin vorbereitet. Sport ermöglicht Selbstreflektion, die zwar nicht immer gelingt, aber noch keinem geschadet hat.

Okay, was würdest Du jemanden empfehlen, wenn er vor seinem ersten Wettkampf steht?

Mir hat immer geholfen, die einzelnen Stationen des Wettkampfs vor dem inneren Auge ablaufen zu lassen. Das kann ich nur jedem Neueinsteiger empfehlen. Dann überrascht Dich nachher auf der Strecke nichts mehr und Du kannst sorgenfrei starten!

 

Lieben Dank für das Gespräch. Komme wieder nach Pellworm! Wir würden Dir, Josephin, gerne wieder eine Bernsteinkette um den Hals hängen! Und gute Besserung mit deinem Ellbogen. Lass Dir Zeit!

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