Porträt Martin Petersen

Martin 1 Kompremiert

Seine Bilder, zumindest die jüngeren, zeigen Himmel, Weite, Endlosigkeit. Sie sind vielleicht keine  Noldes, sie sind wahre Martin Petersens! Einfach, ehrlich und auf das Wesentliche konzentriert. „Je älter ich werde, desto mehr lasse ich weg“, stellt Petersen selbst fest. Er lasse weg, wohin am Ende auch nichts hingehört; zumal gerade die Schlichtheit die Aufmerksamkeit des Betrachters magisch anzieht.

Weglassen, reduzieren, vereinfachen: Das sind die künstlerischen Essenzen, die sich beim Pellwormer Maler und Bildhauer Martin Petersen nach einem Prozess von mehr als 60 Jahren herauskristallisiert haben. Umso mehr sind wir sehr stolz darauf, dass der inzwischen 81-Jährige sofort bereit war, für das diesjährige Plakat und den Flyer des Trifun eines seiner elegischen Wattmotive bereitzustellen!
trifun Plakat 2019Wir durften sogar aus der Fülle seiner Werke auswählen und haben uns für ein Bild entschieden, das unsere Idee von Natur und Bewegung, von „natürlicher Bewegung“, mitten im nordfriesischen Wattenmeer ganz und gar verkörpert: Meer, Himmel, Eiland, Harmonie. Es interpretiert unseren Natur- und Lebensraum und deren ganz eigene Mentalität auf so prägnante Art, dass wir uns als Veranstalter eines Triathlons im Wattenmeer damit in idealer Weise identifizieren können. Danke Dir Martin! So wird sein Motiv in den nächsten Monaten an vielen Ort zu sehen sein: auf Pellworm und in Hamburg, aber bestimmt auch in Husum, auf Sylt, wahrscheinlich auch in Mecklenburg-Vorpommern, in Lüneburg, am Bodensee, in London und bestenfalls auch in der Toskana.

Dabei malt Martin in seinem Atelier Poseidon am Nordermitteldeich bei Weitem nicht nur, denn er ist auch plastischer Künstler. Wer mit ihm und seiner Frau Inge durch deren schönen Garten wandelt, der begegnet einigen seiner beeindruckenden Werke. Gerne erinnere ich mich persönlich an eine wunderbare Ausstellung in der Alten Kirche, die eine Retrospektive auf seine jahrzehntelange Bildhauerei darstellte: Seine anmutigen Figuren, Solitäre und Paare, Wesen, Seelen, Gestalten und Objekte verzauberten damals den Kirchenraum. Seine bildhauerischen Werke sind gezeichnet von seiner Fähigkeit, dem natürlich Gewachsenen mit der künstlerischen Intention zu versöhnen. Wer seine Skulpturen kennt, der ahnt seinen Respekt und auch sein Gespür für das Material und dessen inneres Wesen. Er presst nichts in eine vorher konzipierte Form, sondern „lässt das Holz, wie es ist“. Auf diese Weise sind sehr starke Objekte entstanden – kleine wie große.

Martin Petersen ist in Bredstedt aufgewachsen. Nach der Schule erlernte er in den fünfziger Jahre das Maurer-Handwerk. Seine erste Begegnung mit Pellworm war, als er als junger Maurer beim Bau der Pellwormer Turnhalle mitarbeitete. Er sollte bleiben. Und so verdiente er seine Brötchen fortan hauptsächlich mit Maurerarbeiten auf der Insel; bis ins Jahr 1989, als ein heftiger Unfall seine berufliche Tätigkeit jäh beendete. Damit war er von heute auf morgen unfreiwilliger Frührentner, was ihm jedoch die Gelegenheit bot, sich seinen eigentlichen Leidenschaften, der Malerei und der Bildhauerei sowie des Kunsthandwerklichen, nun ganz und gar hinzuwenden. Ohnehin hatte er schon während der Berufszeit fast jede freie Minute der künstlerischen Entfaltung gewidmet. „Ich habe schon in den fünfziger Jahren in Bredstedt gemalt und ausgestellt“, blickt Martin Petersen auf ein wahrlich langes Künstlerleben – inklusive Auf und Ab  - zurück: Am Ende brachten ihn seine Erfahrungen dahin,  wo er heute steht.

Aber nicht nur seine Kunst, auch der künstlerische Austausch ist ihm wichtig. So engagierte er sich über seine eigene Arbeit hinaus im engen Austausch mit anderen nordfriesischen Künstlern bei der Gründung des Kunstvereins Husum und Umgebung vor vielen Jahren. Darüberhinaus hat er die Sommerausstellung der Pellwormer Künstler, die mittlerweile eine feste Größe im Insel-Kulturleben ist, ins Leben gerufen und sechs Jahre lang geleitet.

Dass er als Mittfünfzigjähriger unverhofft mehr Zeit für seine künstlerische Arbeit bekam, gab seinem Werk einen echten Schub. So hat er sich noch im relativ reifen Alter, wie er selbst von sich sagt, „enorm weiterentwickelt. In den Fünfziger Jahren habe ich noch viel kopiert und mich ab den Sechziger Jahren mit eigenen abstrakten und figürlichen Bildern beschäftigt. Seit den letzten vierzig Jahren bin ich immer mehr zu mir, zu meinem eigenen Stil gekommen“. Ein Satz, den er in seiner ganz eigenen,  ganz unaufgeregten und sehr bescheidenen Art äußert. Dabei ringt er auch heute noch oft mit dem Motiv, das er bearbeiteten möchte. Denn wenn ihn eine Perspektive oder ein Thema gepackt hat, dann „haut er rein.“ Im Schaffensdrang eingetaucht, greift er dann dieselben Motive immer wieder auf, sucht nach dem idealen Ausdruck, manchmal ruhelos. Dabei arbeitet er auch oft mit dem Spachtel. „Na ja, das passt zu mir als gelernten Handwerker doch ziemlich gut, als Maurer bin ich mit dem Spachtel sehr vertraut“, erklärt er. Und je nach Stimmungslage verändern sich Farben, Konturen und Kompositionen; dabei arbeitet er immer ohne Skizzen, denn für ihn ist der Gedanke, die Inspiration das treibende Element, „alles Weitere ergibt sich von selbst.“  Aber irgendwann ist auch für ihn das auserwählte Thema durch dekliniert; dann nämlich, wenn er etwa 40  Varianten des gleichen Themas auf die Leinwand gebracht hat. Danach, so Martin schmunzelnd und etwas nach innen gekehrt, „ist die Luft raus.“ Dann heißt es durchatmen, schweigen und einfach nur betrachten.

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AUTOR: DIERK JENSEN

Wer die Kunst von Martin Petersen näher kennenlernen möchte, dem sei ein Besuch des Atelier Poseidon und Skulpturengarten zu empfehlen:  Nordermitteldeich 49, Mo., Mi., Fr. 10-12.30 Uhr